Routenberechnung und Geschwindigkeiten

Welches ist der beste Weg von A nach B? Diese Frage wird nicht nur millionenfach in unseren Verkehrssimulationen gestellt und beantwortet, sondern muss z.B. auch von Navigationsgeräten möglichst gut beantwortet werden können. Doch was ist der "beste" Weg? Der schnellste? Der kürzeste? Der am wenigsten stauanfällige? In den meisten Fällen ist die schnellste Route die gewünschte – jedoch nicht die allgemein schnellstmögliche Strecke, sondern die aktuell schnellste Route. Dies bedeutet, dass man nur ungern die Zeit in einem Stau verbringen möchte, wenn man auf einer Nebenstrasse schneller vorankäme, auch wenn dort ein tieferes Tempolimit gilt.

Aus diesem Grund sammelt beispielsweise der Navigationsgeräte-Hersteller TomTom aktuelle Durchschnittsgeschwindigkeiten auf Strassenabschnitten. Dies erlaubt es TomTom, Staus zu erkennen, und somit bei entsprechend ausgerüsteten Navigationsgeräten diese Stau-Information bei der Routensuche zu berücksichtigen. Zudem stellt TomTom mit Live Traffic die entsprechenden Informationen auch im Internet zum Abruf bereit.

Solche Durchschnittsgeschwindigkeiten sind jedoch nicht nur zum aktuellen Zeitpunkt interessant. Durch die Analyse solcher Geschwindigkeitsprofile von Strassenabschnitten über mehrere Tage oder Wochen können auch Strecken erkannt werden, wo sich regelmässig zu Stosszeiten Fahrzeuge stauen. Diese Information ist dann nicht nur für die Routenberechnung interessant, sondern kann beispielsweise auch von Verkehrsplaner verwendet werden, um Stau-Orte zu erkennen und entsprechende Gegenmassnahmen vorzuschlagen.

Einen weiteren Verwendungszweck für solche Durchschnitts-Geschwindigkeiten hat die niederländische Regierung gefunden. Sie hat die Daten analysiert und festgestellt, auf welchen Strassenabschnitten die Durchschnitts-Geschwindigkeit offenbar regelmässig über dem zulässigen Tempolimit liegt und dort kurzerhand Geschwindigkeitskontrollen durchgeführt. TomTom und die Autofahrer hat's wohl nicht so gefreut, die Kosten für den Kauf der Geschwindigkeitsdaten dürften aber vermutlich schnell wieder eingenommen worden sein. ;-)  (gefunden via heise.de und Golem)

Created April 29, 2011