May 2011

"Die Fahrzeuge verkehren in unregelmässigen Abständen"

Auch wenn in Zürich der Streik bei Tram- und Busfahrerinnen und -fahrer für's Erste abgewendet ist, kann man sich ja dennoch fragen, was wäre passiert wenn... Diese Frage hat sich auch der Tages-Anzeiger gestellt. In der Antwort wird dann erwähnt:

Die Folge des Dienstes nach Vorschrift: Es kommt zu erheblichen Verspätungen einzelner Trams oder Busse. An Haltestellen könnten innerhalb weniger Minuten mehrere Fahrzeuge der gleichen Linie halten und danach könnte während bis zu 20 Minuten keines mehr vorbeikommen. Durch die langen Wartezeiten wären die ersten Trams oder Busse, die eine Station erreichen, massiv überfüllt, spätere wären praktisch leer.

[Quelle: www.tagesanzeiger.ch/zuerich/stadt/story/11473487]

In der Fachwelt wird dieses Phänomen als "Pulk-Bildung" oder auch "bus bunching" bezeichnet. Das Gemeine dabei ist, dass wenn das Problem einmal aufgetreten ist, es sich tendenziell eher noch verstärkt. Dies lässt sich gut an einem einfachen Beispiel veranschaulichen, wie es auch in unseren Modellen abgebildet wird. Im folgenden kurzen Film ist eine Buslinie zu sehen, auf der alle 5 Minuten ein Fahrzeug von links nach rechts fährt. Die Anzahl der Passagiere ist durch die Grösse der sich bewegenden Balken symbolisiert. An jeder Haltestelle (dargestellt durch die kleinen Kreise) wollen Personen zusteigen, wobei an jeder Haltestelle jede Minute die gleiche Anzahl Personen neu dazukommt (eine für Stosszeiten durchaus zutreffende Annahme). Nun ist aber der Bus, der um 7:45 losfahren sollte, um eine Minute verspätet. Dadurch warten natürlich mehr Personen an der Haltestelle, der Bus muss länger warten, bis alle eingestiegen sind, und kriegt so noch mehr Verspätung. Was dann passiert... beobachten Sie es doch selbst:

Die anfängliche Verspätung nimmt im Laufe der Zeit immer mehr zu. Der nachfolgende (wieder pünktliche) Bus jedoch ist auf einmal schneller unterwegs: Klar, weil der voranfahrende Bus Verspätung hatte, warten weniger Leute an der Haltestelle, und der pünktliche Bus kann schneller weiterfahren. Dadurch kann es dann auch passieren, dass er den voranfahrenden Bus einholt – die Leute versuchen lieber noch in den ersten Bus einzusteigen und halten diesen dabei noch länger auf, als ein paar Sekunden später in den folgenden, fast leeren Bus einzusteigen.

Übrigens: Im Normalfall liegt es vermutlich nicht an der Fahrerin oder dem Fahrer eines Bus oder Trams, dass ein Fahrzeug zu spät an einer Haltestelle los fährt und somit eine Pulkbildung startet. Viel öfters bleiben Passagiere in der Tür oder auf dem Trittbrett stehen und warten, bis auch die letzte angerannt kommende Person einsteigen konnte oder ihr Ticket am Automaten gelöst hat... Das nächste Mal also nicht noch auf den Tür-Öffnen-Knopf drucken, wenn noch jemand angesprungen kommt. Die Passagiere nach Ihnen danken es Ihnen – ausser der einen Personen vielleicht ;-)

Created May 11, 2011